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Hrsg. von Olaf Blaschke und Uwe Puschner
In den Wissenschaften hat zunehmend die Erkenntnis Platz gegriffen, dass die Beschäftigung mit Literatur nicht nur eine Frage der Interpretation publizierter Texte samt der möglichen Motive der Autoren ist. Für ein differenziertes Verständnis ist vielmehr der gesamte Kontext der Literaturproduktion unabdingbar, das heißt Verleger und Lektoren, Buchhandel und Zwänge des Marktes und nicht zuletzt die Logiken des jeweiligen Feldes sind zu berücksichtigen. Zahlreiche dieser Einsicht verpflichtete Studien sind mittlerweile im Rahmen der Literaturwissenschaft entstanden. Über Johann Wolfgang Goethe und seine Verleger, ebenso über Friedrich Schiller, über George Bernard Shaw, Hermann Hesse, Walter Benjamin, Thomas Bernhard und viele andere Autoren und ihre Verleger sind wir hervorragend informiert. Im Zentrum steht dabei die „Persönlichkeit“ des Autors, weniger jedoch der Buchmarkt und seine Bedingungen. Was häufig übersehen wird, ist die Tatsache, dass Belletristik nicht einmal 20 Prozent der Veröffentlichungen ausmacht. Mehr als 80 Prozent der jährlichen Verlagsproduktion besteht jedoch aus wissenschaftlicher Literatur, aus Fach- und Sachbüchern, Ratgeberliteratur und vielem anderen mehr. Mittlerweile nehmen Disziplinen wie die Buchwissenschaft, die Soziologie und Geschichtswissenschaft, die Medienwissenschaft, im Einzelfall auch die Naturwissenschaften den Umstand ernst, dass nicht nur berühmte Schriftsteller, sondern sämtliche Autoren verlegerisch betreut oder gar von Verlagen, Verlegern und Lektoren zum Schreiben angeregt werden. Auch Wissen-schaftler und Sachbuchautoren haben Verleger. Auch ihre Manuskripte können von Verlegern abgelehnt oder verändert werden.
Welchen Einfluss haben Verleger und der Buchmarkt auf die Verfertigung von Wissen in der Gesellschaft? Welche Rückkoppelungen ergeben sich für die jeweiligen Wissenskulturen und die Wissenschaften sowie ihre Disziplinen, die annehmen, sie seien ein geschlossenes System, frei von verlegerischen und buchmarktwirtschaftlichen Einflüssen? Wie haben sich der Buchhandel und das Verlagswesen im 19. und 20. Jahrhundert mit der Expansion der so genannten Wissensgesellschaft verändert – und umgekehrt: Welche Wirkungen gehen von den Verlagen auf die Wissensgesellschaft aus?
Die Bände der Reihe Studien zur modernen Verlagsgeschichte und Wissensproduktion widmen sich insbesondere diesen Fragen, in Abgrenzung zu einem antiquarischen Positivismus, wie er in manchen Verlagsgeschichten zum Vorschein kommt. Die Analysen konzentrieren sich auf die nicht-belletristische Literatur- und Verlagsproduktion, die den Löwenanteil aller Publikationen ausmacht, und auf Verlage, die für die Wissenschaft und Wissenspopularisierung seit dem 19. Jahrhundert von Bedeutung sind.
