Über dieses Buch:
Obwohl Kriege ein prägendes Element der Frühen Neuzeit waren, hat eine Verknüpfung von militärtheoretischer Thematik und Beschreibungstradition bisher nicht stattgefunden. In den letzten Jahren vollzog die Geschichtswissenschaft jedoch einen Wandel in der Beurteilung der Militärgeschichte; die Hinwendung zur Erfahrungsgeschichte ‚von unten‘ und damit auch zu Ego-Dokumenten wurde ebenfalls von der Literaturwissenschaft aufgegriffen.
Ausgehend von der These, dass sich militärische und gesellschaftlich-kulturelle Veränderungen auf die Kriegsteilnehmer und die Muster ihrer Kriegsbeschreibungen auswirken, werden interdisziplinär unterschiedliche Quellenarten untersucht. Die von den Kriegsteilnehmern hinterlassenen Texte – Selbstzeugnisse, kriegstheoretische Werke, Romane und Kriegskompendien – machen die Beziehungen zwischen Kriegführung, Literatur und ästhetischen Konzepten deutlich. Das Wechselverhältnis von Kriegswissenschaft und mentalitätsgeschichtlichen Aspekten war bestimmend für die Wahrnehmung und die Schilderung des Krieges.
Über den Autor / die Autorin:
Stephanie Schwarzer, geb. 1972, studierte Germanistik, Geschichte und Anglistik in Gießen. Während ihrer Promotion war sie wissenschaftliche Hilfskraft im SFB Erinnerungskulturen und Koordinatorin des Graduiertenkollegs Klassizismus und Romantik an der Universität Gießen.
Rezension/en:
"Schwarzer gelingt es, markante Unterschiede zwischen der Kriegsrepräsentation des 17. und 18. Jahrhunderts auszumachen, [...]. Mit Gewinn zu lesen sind hier vor allem die Ausführungen zu Schlachtdarstellungen und ihren unterschiedlichen visuellen wie akustischen Repräsentationen. Vor allem in der eingehenden Interpretation Archenholtz kann die Arbeit überzeugen, in dem die unterschiedlichen ästhetischen Facetten der Kriegsdarstellung im Kontext eines Werkes diskutiert werden. Insgesamt liegt das innovative Potential der Arbeit darin, dass hier nicht allein die Heroen der Literaturgeschichte von Grimmelshausen bis Lessing in den Blick genommen werden, sondern konsequent militärisches Schrifttum in die Interpretation einbezogen wird. Das hat den positiven Effekt, dass man viel über die tatsächlichen Kriegshandlungen erfährt und nicht mit allgemeinen Reflexionen über das Wesen des Krieges vorlieb nehmen muss. Schwarzer hat somit zu einer kulturgeschichtlichen Perspektivierung militärischer Ereignisse des 17. und 18. Jahrhunderts beigetragen, die anschaulich belegt, welch wichtige Quellenbestände hier noch auf neue Lesarten warten." (Zeitschrift für Historische Forschung)