Über dieses Buch:
In der ersten, ab 1632 erschienen europäischen Märchensammlung literarisierte Giambattista Basile vorwiegend oral tradierte Märchenstoffe. Seine Versionen fanden ca. 220 Jahre später durch Reoralisierung wieder Eingang in die mündliche Volkstradition.
Diesen Rückfluss der schriftlich fixierten Basile-Märchen in die Volkstradition kann die Autorin für Le tre cetra (V.9) und La mortella (I.2) in den ab 1850 niedergeschriebenen italienischen (Volks-)Märchen nachweisen. Dass Basiles Einflussnahme an Sprach- und Gattungsgrenzen nicht Halt macht, zeigen die Reminiszenzen in den Werken Brentanos (Das Myrtenfräulein), Domenico Luigi Batacchis (Lo Zibaldone) und Carlo Gozzis (L’amore delle tre melarance). Letztgenannter wirkte zudem als Multiplikator des Orangenmärchenstoffes.
Basile-Reminiszenzen in Volksmärchen sind also belegbar. Dadurch kommt Basiles Märchen eine zentrale Mittlerfunktion zwischen Literarisierung, oraler Tradierung und erneuter schriftlicher Fixierung zu.
Über den Autor / die Autorin:
Fabienne Feller-Geißdörfer studierte von 1995 bis 2001 an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Ein akademisches Jahr verbrachte sie 1998/99 an der Università degli Studi di Parma. Im Juni 2005 wurde sie in Romanistik promoviert.