Über dieses Buch:
Ein weibliches Krankheitsbild der Wiener Moderne – die Hysterie – wird als kulturelles Zeichen gelesen. Durch ihre kommunikative Bedeutung als averbales Ausdrucksmittel und die von ihr abhängigen Deutungsmuster begibt sich die Hysterie in ein Wechselspiel mit den Wunschbildern der Epoche: Diese werden in sie hineinprojiziert und von ihr widergespiegelt.
Die Krankheit veranschaulicht eine schmerzvolle und unumschränkte Erfahrung der Grenzüberschreitung. Deren Horizont bemisst einerseits die „Leere dieser Überschreitung“ und andererseits die „Entfaltung der Welt in der Grenzerfahrung“. In ihr manifestiert sich der für die Wiener Moderne charakteristische Bruch zwischen Denken, Sprechen und Sein in der Ich-Auflösung.
Im Ineinandergreifen psychologischer Erkenntnisse und ausgewählter literarischer Texte der Wiener Moderne (Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal) führt die vorliegende Studie das Zusammenspiel von drei miteinander verwobenen psychischen Vorgängen vor: der Hysterie, der Trauer und der Erinnerung.
Die besondere Leistung der Autorin liegt darin, die Theorien der Erinnerung und Trauer in Zusammenhang mit der Zeitwahrnehmung zu bringen. Darüber hinaus behandelt sie die Möglichkeiten der literarischen Darstellung einer solchen Zeitwahrnehmung.
Über den Autor / die Autorin:
Maike Heinrich studierte Kulturwissenschaft, Neue deutsche Literatur und Lateinamerikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit ihrem Redaktionsvolontariat lebt sie als freie Übersetzerin und Autorin in München.
Rezension/en:
"Heinrichs Arbeit [macht] auf konzise Weise deutlich, auf welche Art das Zusammenspiel von Hysterie, Trauer und Erinnerung ... konstitutiv ist." (literaturkritik.de)